Um Missverständnisse auszuschließen: Das Ganze wird mit viel Gelassenheit, gewürzt mit einer großen Portion Humor, erklärt, so dass Angst überhaupt gar nicht erst aufkommt, sondern man einfach nur gespannt ist, wie das wohl klappt. Wir haben in unserer Gruppe das Glück, dass zum Leiter des Kurses auch noch ein Hospitant dazugekommen ist, ein gerade mit der Ausbildung fertiger Pilot, und bei beiden kommen die Erklärungen und Antworten auf Fragen so gründlich und schnell und fundiert, dass jegliche Zweifel sich nicht darum drehen, ob das alles geht oder überhaupt möglich ist, sondern einzig darum, wie man selbst das hinkriegen soll. In gewisser Weise weckt das Erinnerungen an die erste Fahrstunde, in der ich zu abendlicher Stunde durch die Strassen eines verwaisten Industriegebietes gehoppelt bin und der Fahrschulwagen leiden musste, je mehr ich über das nachgedachte, was ich da tun sollte – und heute morgen war ich ja schließlich auch zum Flughafen gefahren, ohne ein einziges Mal bewusst darüber nachzudenken, was linker Fuß und rechter Fuß denn nun gerade machen.
Dann ist die Abfolge beim Landen an der Reihe, jetzt kommen zu Richtung halten und Geschwindigkeit noch zwei Faktoren dazu, nämlich Höhe (oder Reduzierung derselben) und Zeit. Immerhin löst sich im Laufe dieser Erklärungen das Rätsel der vier roten Lampen, die man gelegentlich an der Landebahn sieht, wenn man in Frankfurt zum Terminal 2 rollt (hier müssen die Profis eine Erklärung nachlegen, wie das genau funktioniert, ich habe mir nur gemerkt, dass das Licht aus verschiedenen Höhen weiss oder rot erscheint und damit anzeigt, ob man zu hoch oder zu tief anfliegt; vom Boden aus, also sprich beim Taxiing, sieht man demnach immer alle vier rot, logisch, wer schon unten ist ja definitiv zu tief zum Landen!). Das klingt noch viel komplizierter als Starten und ist eine Fülle von Informationen, zum einen die Beschreibung von Anflugkurve, zum anderen darf man Klappen und Fahrwerk nicht vergessen…
Die 90 Minuten Theorie sind wie im Flug vorbei, fast schade, denn das ist wirklich interessant, aber nun wird es ja schließlich noch spannender, denn es geht direkt per Wendeltreppe eine Etage tiefer in den Simulator. Wie gut, dass ich am Wochenende schon die Möglichkeit hatte, einen Blick auf ein echtes Cockpit zu werfen, die Vielzahl an Knöpfen und Schaltern (insgesamt, so hören wir, ca. 550) kommt da nicht mehr ganz so überraschend.
Bei so einem Simulator-Erlebnisflug geht es übrigens nicht um alle Einzelheiten von Parkposition bis Parkposition – das ist in der Kürze der Zeit einfach nicht drin. Die Triebwerke laufen also schon, als wir Platz nehmen, und wir stehen auch schon auf der Startbahn, mit fix und fertiger Klappen-Konfiguration. In den ersten 20 Minuten bin ich First Officer, und habe daher Zeit, mich ein bisschen mit den Instrumenten um mich herum anzufreunden und erstmal herauszufinden, wo genau ich hingucken muss, um was abzulesen. Das Problem dabei ist, jedes Mal wenn ich woanders hinschaue, muss ich mich hinterher z. B. beim künstlichen Horizont neu orientieren und quasi wieder von vorn anfangen, weil dort so eine Menge von Infos steht und ich mir einfach nicht merken kann, was ich wo finde.
Eine weitere Überraschung ist gleich beim ersten Start, wie stark das Flugzeug von der Mittellinie weg zieht und wie stark man doch Gegenlenken muss (und das schon bei relativ geringem Seitenwind). Eigentlich ist das logisch, es ist ja auch keine Bahn 100%ig eben, aber als Passagier denkt man über solche Dinge halt einfach nicht nach.
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