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Vom Flugliebhaber zur Flugangst

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Moderator: Jürgen

MelliPho
Beiträge: 1
Registriert: Sonntag 11. August 2019, 11:51

Vom Flugliebhaber zur Flugangst

Ungelesener Beitrag von MelliPho » Sonntag 11. August 2019, 12:28

Hallo,

ich habe mich ein wenig durch das Forum gelesen und ich glaube mit meiner Erfahrung werde ich ein wenig aus der Reihe tanzen :D
Zu mir: ich bin 22 Jahre alt und habe seit ich 16 bin Flugangst, die mit jedem Jahr mehr wird.

Wie kam es dazu?
Eigentlich habe ich fliegen GELIEBT! Als Kind bin ich immer im Sommer mit meiner Familie in den Urlaub geflogen. Also ich habe definitiv schon 15+ (Rückflüge mit einberechnet) Flüge hinter mir. Das war damals auch nie ein Problem. Wie gesagt habe ich mich immer darauf gefreut, nichts war toller als Start und Landung, oben in der Luft habe ich aus dem Fenster gestarrt, wollte immer beim Fenster sitzen, hab mir den Bauch vollgeschlagen und und und... halt was man so tut, wenn man keine Angst davor hat. Ich bin sogar öfter mit meinem Vater zu unserem Flughafen gefahren, dann haben wir uns dort was zu essen gekauft und den Flugzeugen beim Start zugeschaut. Sogar heute fühle ich mich eigentlich sehr wohl an Flughäfen, solange es nicht Richtung Gate geht.
Jedoch habe ich in der Pubertät eine andere Angst entwickelt: die Emetophobie. Die panische Angst vorm übergeben. Und diese Schei*e beeinflusst einfach alles :(

Als ich 16 war sollte ich wieder mit meiner Mutter in den Urlaub fliegen. Kurz vorm Einstieg reiße ich noch Witze "Na gut, dass ich keine dieser Personen bin, die im Flugzeug Angst haben oder denen es schlecht wird". In dem Moment meinte ich das auch so. Aber dann fing das Gedankenkarussell an...
"Ist das wirklich so? Wird dir nicht übel? So ein Start fühlt sich ja schon komisch an...und in der Luft spürt man auch alles...die Motoren sind so laut". Auf dem Hinflug war noch alles ok.
Dann kam der Rückflug "Mist...der Hinflug war ja nicht so dolle. Was ist wenn mir doch schlecht wird?? Mir war schon auf dem Hinflug ein wenig mulmig"

Und dann kam der prägendste Moment meines Lebens: Wir waren oben. Und ich hatte meine allererste Panikattacke meines Lebens im Flugzeug. Toll. Damit fing die Geschichte der Flugangst an. Ich bin danach noch mehrmals geflogen, aber kein Flug danach konnte mir meine Angst nehmen. Anfangs war es nur ein mulmiges Gefühl, doch mit jedem Flug wurde es schwerer statt einfacher. Die Panik fing immer früher an. Die Gedanken wurden immer stärker. Ein verdammter Teufelskreis :(

Das letzte Mal geflogen bin ich jetzt vor 2 Jahren. Ich bin an dem Punkt, wo ich beim Start weine, wo ich mir laut Musik aufdrehen muss um mich abzulenken, wo ich dauerhaft das Gefühl habe, dass der Druck oben mir meinen Bauch zusammendrückt und ich nichts essen kann (ich habe das Gefühl, dass dauerhaft Druck auf mir lastet, als würde ich in meinen Sitz gedrückt werden), ich bin NON-STOP am Rande einer Panikattacke. Ich sitze so weit wie möglich vom Fenster entfernt, allein der Blick nach unten macht mein flaues Gefühl im Magen schlimmer und gibt mir Höhenangst. Lediglich wenn das Flugzeug dreht, muss ich aus dem Fenster schauen, in die Richtung in die es dreht oder ich werd komplett verrückt. Wenn ich 2 Stunden lang fliege, dann bin ich 2 Stunden lang auf Hochtouren gestresst. Nur wenn man mit mir redet und mich ablenkt, kann ich kurz vergessen, dass ich im Flugzeug sitze.
Es ist schrecklich.
Ich hatte zur Vorbereitung sogar Videos geschaut und BEIM Video schauen hab ich geweint vor Angst.

Aber ich hab keine Lust mehr darauf. Ich hab solches Fernweh :(( Ich hab öfter Urlaube abgesagt mit Ausreden...mein Vater wollte mit mir in die Türkei fliegen, wo ich schon öfter war, und ich hab abgesagt, einfach weil ich nicht fliegen wollte. Aber ich wollte mit!! :(
Und momentan ist mein grösster Traum nach Amerika zu fliegen. Ich hatte bereits zig Träume davon. Anfangs hat mein Gehirn das Flugzeug immer übersprungen. Aber mit der Zeit hat mein Gehirn es im Traum einfließen lassen, meist ohne Angst. Ich WILL so unbedingt fliegen! Aber gleichzeitig auch nicht...

In mir wüten zwei so unterschiedliche Gedanken. Das eine ist die Sehnsucht nach der alten Zeit. Sie will in ein Flugzeug steigen und es genießen und Spaß haben, weil im tiefsten Inneren hab ich keine Angst vorm fliegen. Aber der andere Gedanke, die Emetophobie, DIE hat Angst vorm fliegen. Weil es könnte ihr ja übel werden :roll: :roll: Aber es ist 2 Jahre her und mein Kopf signalisiert mir, dass ich ein wenig Abstand gewonnen habe und es wieder versuchen möchte.

Ich wünschte ich hätte einen Therapeuten, aber ich lebe in Luxemburg und bin Studentin. Therapeuten werden hier nicht vom Staat bezahlt und ich will meinen Eltern nicht so auf der Tasche liegen (und wer sich wundert "Sie können in den Urlaub fliegen, aber keine Therapie bezahlen?" - ja genau so ist es. Für den Urlaub spart man halt, aber für den Rest haben sie am Ende des Monats jetzt schon nicht mehr soviel Geld übrig). Aber ich weiß nicht, wie ich meine Angst besiegen soll. Vielleicht gibt es hier ja irgendwen mit einer ähnlichen Erfahrung? Könnt ihr mir irgendwelche guten Tipps geben gegen Panikattacken im Flugzeug? Effiziente Wege Entspannung zu erlernen? Ist euch sonst irgendetwas eingefallen beim lesen? Ich bin für alles offen.

Danke fürs lesen!
LG

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