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Was soll ich bloß tun? Bin schon jetzt verzweifelt...

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Moderator: Jürgen

IchhabsoAngst
Beiträge: 2
Registriert: Sonntag 11. August 2019, 22:04

Was soll ich bloß tun? Bin schon jetzt verzweifelt...

Ungelesener Beitrag von IchhabsoAngst » Sonntag 11. August 2019, 22:21

Hallo Alle,

ich fliege in einem Monat mit meiner Familie in den Urlaub. Ich habe zwei Kinder, 3 und 8 Jahre alt.
Seitdem ich Mutter bin habe ich riesige Flugangst und konnte mich immer vor einer Flugreise "drücken". Doch seit einiger Zeit äußerte die Große immer wieder den Wunsch, mal in den Urlaub fliegen zu wollen. Also haben wir 2 Wochen Mallorca gebucht.
Seitdem kann ich kaum noch schlafen, ohne an den Flug zu denken. Ich denke an die schlimmsten Szenarien, und immer wieder an meine Kinder...mit dem Gefühl, ihnen mit diesem Flug das Schlimmste anzutun, was ich ihnen antun könnte :-(
Mir kommen oft die Tränen und ständig denke ich ,dass unser Leben bald vorbei sein wird....
Das Absurde: mein Mann ist Flugzeugingenieur. Er versucht immer wieder, mir alles zu erklären, wie sicher ein Flugzeug ist, etc. Ich habe viel gelesen und mich über den Ablauf informiert, aber nichts beruhigt mich. Für irgendwelche Seminare oder Ähnliches ist es zu spät, mir fehlt einfach die Zeit.
Deshalb würde ich gerne für den Notfall Tabletten mitnehmen, die mir, wenn es losgeht, die Angst etwas nehmen bzw würde ich gerne schon damit anfangen.
Könnte mir jemand Tipps geben, was es für möglichst nebenwirkungsfreie Medikamente es gibt? Ich möchte für meine Kinder stark sein, sie sollen nichts vor meiner panischen Angst mitbekommen.

Ich danke euch für eure Hilfe!

Flug3451
Beiträge: 402
Registriert: Donnerstag 14. Januar 2016, 11:23

Re: Was soll ich bloß tun? Bin schon jetzt verzweifelt...

Ungelesener Beitrag von Flug3451 » Montag 12. August 2019, 12:03

Moin, :D

ich kenne deine Situation sehr gut. Bei mir liegt es jetzt fast 9 Jahre zurück. Doch ich wusste nicht warum ich aufeinmal so eine Angst vor dem ersten Flug hatte. Mein Umfeld hatte bis auf meinen vierjährigen Sohn nicht soviel Verständnis und so konnte ich mich auch nicht drücken. Und ehrlich, ich wollte es auch nicht wirklich. Genau das war mein Glück, denn kaum fing der Start an waren meine guten Erinnerungen an meine vorab Flüge viel stärker als meine Angst und verflog immer mehr meine Angst. Zudem half mir die Begeisterung meines Sohnes.

Du hast noch viel Zeit etwas zu verändern. Zudem hast du den Vorteil einen Fachmann zur Seite zu haben. Wenn du von der Wissensseite noch nicht alle Fragen geklärt hast, dann schau in die Infoecke dort findest du einen Thread "Erste Hilfe Paket ". Dort sind div. sachliche  Videos und Literaturtipps hinterlegt.

Aber wie du selbst gemerkt hast, reicht das aufstocken von Wissen nicht aus. Es fühlt sich vielleicht an wie eine Blockade.  Diese Blockade hat der Therapeut Rainer Franke bei all seinen Klienten bemerkt, die mit negativen Gefühlen, wie Angst, Trauer, Wut ect. und durch ein Freund hat er eine sehr alte Entspannungstechnik aus Asien kennen gelernt. Diese hat er mit weiteren Entspannungstechniken verbunden. Daraus entstand MET (Akkupunktur-Beklopfung).

Ich habe es hier im Forum gelesen und wie viele hier belächelt. Eines Tages habe ich es dann doch mal ausprobiert und war positiv überrascht über die Wirkung/Veränderung. Mittlerweile gibt es einige hier, die dadurch ihr Angst in den Griff bekommen habe oder komplett verloren haben. Also warum sollte es dir nicht helfen? Du solltest dir das Buch "Klopfen sie sich frei " besorgen und starten. Du wirst sehen, wenn du dich konsequent an den Gesamtablauf hältst, dass du wenig Zeit brauchst um eine Veränderung zu spüren.

Von Tabletten solltest du die Finger von lassen. Sie sind keine Lösung und schon gar nicht für eine Mutter. Es gibt keine Tabletten gegen Flugangst/Kontrollverlustangst, diese Tabletten sind Erkrankungen gemacht worden von dem du zum Glück weit entfernt bist. Wie vielleicht auch dein Mann gesagt hat, kann die Wirkung zudem extrem anders ausfallen in Flughöhe gegen über auf der Erde. Du kannst zwar mit deinem Mann absprechen, dass er während des Fluges sich um die Kinder kümmern soll. Damit du dich um dich kümmern kannst. Aber aus  Erfahrung kann ich dir sagen, an diese Planung halten sich meistens die Kinder nicht.

Schon alleine deswegen solltest du keine Medikamente nehmen, die nicht für dich bestimmt sind. Ein Kind kann nachvollziehen, wenn der Mama Tränen rollen aus Angst oder wenn die Mama sagt, sorry, ich muss mal eben meine Entspannungstechnik machen. Aber es kann nicht nachvollziehen, wenn die Mama nur noch schläft und nicht wirklich da ist und wenn sie dann wegen den Tabletten bei leichten Turbulenzen nicht den gewohnten Arm der Mama spüren, kann das wir hier im Forum erlebt haben Flugangst bei Kinder auslösen. Wo sie oft Jahre später nicht wissen woher, also Finger weg von Medikamenten.

Du schaffst es auch ohne und nimm dir die Zeit, die du jetzt vor deinen Flug brauchst. Nichts ist so wichtig, wie dass du für dich deine Angst im Griff bekommst und einen schönen Urlaub hast mit deiner Familie.

VG
Flug3451

IchhabsoAngst
Beiträge: 2
Registriert: Sonntag 11. August 2019, 22:04

Re: Was soll ich bloß tun? Bin schon jetzt verzweifelt...

Ungelesener Beitrag von IchhabsoAngst » Montag 12. August 2019, 13:16

Lieben Dank für deine Zeilen! Oh man, ich glaube du hast wirklich Recht, dass Tabletten nicht die Lösung sind. Ich möchte ja auch für meine Kinder da sein und nicht völlig weggetragen neben ihnen herum vegitieren ;-)
Ich versuche es mal mit der Klopptechnik. Ich habe es schon mal bin TV gesehen, das hat bei der Angstperson auch super geklappt.
Ich hoffe trotzdem, dass meine Angst wie bei dir leicht verschwindet, wenn die Situation Flughafen - Checkin- etc erstmal da ist.

Flug3451
Beiträge: 402
Registriert: Donnerstag 14. Januar 2016, 11:23

Re: Was soll ich bloß tun? Bin schon jetzt verzweifelt...

Ungelesener Beitrag von Flug3451 » Montag 12. August 2019, 15:00

Das freut mich für dich und deine Kinder, dass du von Medikamenten absiehst. Mach dir doch mal Bewusst was der Auslöser deiner Kontrollverlustangst war. Du bist Mama geworden, hast Verantwortung übernommen, die du gar nicht abschätzen konntest. Deine Angst ist ein Zeichen, wie ernst du deine Verantwortung nimmst. Doch du musst damit umgehen lernen, dass du nur bis zu einem gewissen Grad deine Kinder beschützen kannst.

Mein Sohn ist 13 Jahre. Ich habe Kontrollverlustangst gehabt bei der ersten Autofahrt, wenn ich körperlich gekonnt hätte, wer ich lieber zu Fuß gelaufen, bei der ersten Busfahrt wieder dasselbe aber es ging nicht anders, ich musste mich überwinden. Bei der ersten Zugfahrt Katastrophe auf der Strecke, die wir zum Teil fahren wollten, war paar Tage vorher ein Anschlag. Wieder Kopfkino was tue ich meinem Sohn und mir an, dass ging so weit das ich dem Abend vorher mein Testament geschrieben habe. Auch noch heute klopft die Kontrollverlustangst noch bei mir hin und wieder an, wenn ich nicht weiß, wo mein Sohn ist oder warum er so spät nach irgendeinem Termin zurück kommt. Überwiegend meldet er sich, weil er weiß das ich mir den Kopf mache aber hin und wieder halt nicht und dann muss ich auch damit umgehen können um mich nicht in eine Panikspirale rein zudrehen. Du siehst, es ist keine Erkrankung für die es Medikamente gibt. Man muss immer wieder lernen mit der Verantwortung, die man nach der Geburt übernommen hat umzugehen.

Wenn du magst kannst du dich bei mir per Pn melden, wenn du Fragen zu MET hast oder es nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast. MET funktioniert, wenn nicht liegt es oft daran, dass man unbewusst Fehler eingebaut hat und dann hilft es, wenn man darüber spricht.

Übrigens mein erster Flug mit meinem Sohn ging auch nach Mallorca. :wink: Ist ein guter Start für erst Flieger und Mama (Papa) - Kontrollverlustangst. Ja, du hast richtig gelesen auch Väter sind davon betroffen.

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