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Wieso habe ich plötzlich so Angst vorm Fliegen und den Turbulenzen?

Luftlöcher gibt es nicht, aber Turbulenzen. Alles hierzu könnt Ihr hier posten.

Moderator: Jürgen

Cori2205
Beiträge: 1
Registriert: Freitag 31. August 2018, 21:45

Wieso habe ich plötzlich so Angst vorm Fliegen und den Turbulenzen?

Ungelesener Beitrag von Cori2205 » Freitag 31. August 2018, 22:05

Hallo Jürgen, hallo liebe Piloten und liebe Forenuser,

ich bin Corinna, 27 Jahre alt und bin schon oft geflogen :) die Kurzfassung.

Als Kind bis ins Teenie Alter war ich jedes Jahr 2-3 Mal mit dem Flugzeug im Urlaub, sogar bis Hawaii. Ich hatte früher tatsächlich nie Angst, weil mir meine Mama immer eingeredet hat, da passiert nichts (obwohl sie selbst wirklich mal in einer kritischen Situation in der Luft war, so dass der Pilot nach einem angeblichen Vogelschlag über den Bergen kurz darauf notlanden musste).

2008 flog ich mit meiner, und eigentlich einer Freundin von ihr - die sich dann beim Einsteigen ins Flugzeug umdrehte und ging, wegen ihrer Angst - nach Méxiko. Der Hinflug war total ruhig...der Rückflug eine Katastrophe. Ich habe geweint, wie ein kleines Kind und hatte totale Panik. Nachts über dem Atlantik. Der Bordservice wurde eingestellt und vereinzelt fielen Sauerstoffmasken aus der Decke.
Nach 12 Stunden Flug, davon 8 Stunden Turbulenzen, habe ich drei Kreuzzeichen gemacht als ich wieder auf dem Boden war.

Danach bin ich 2011 noch 2x geflogen - was kein Problem war. Dann 2014 2x, davon sogar einmal mit einem kaputten Triebwerk.
2017 fing es dann an, Flug nach Amsterdam und das kleinste Gewackel brachte mich in Unruhe und versetzte mich in Panik. Bin dann Ende 2017 nochmal geflogen und dieses Jahr bereits auch einmal. Jedes Mal wieder...Start und Landung pure Panik, leichtes Gewackel schreckliche Angst.

Mein Traum war es früher Flugbegleiterin zu werden, dafür hätte ich sogar alles in Kauf genommen. Nur leider war ich noch keine 18 nach der Realschule und hätte eine zwischenausbildunh machen müssen...das gestaltete sich schwierig. 2009 fertig mit der Kinderpflegerin, Bewerbungsverfahren bei Lufthansa gestartet. Dann das Air France Unglück und alles gecancelt :/ heute bin ich ehrlich gesagt froh, dass ich mich so entschieden habe, denn mit der jetzigen Flugangst ist es echt schwierig. (Ich habe mich leider zuvor und auch anschließend vor allem mit dem Thema fliegen/flugsicherheit/Flugzeug/Absturz/strömungsabriss beschäftigt, was sicher nicht förderlich war)

Könnt ihr mir tips geben, wie ich mich auf meinen bevorstehenden Flug nach Kuba vorbereiten kann? Also auch mental....denn soweit ich gesehen habe ist es fast die selbe Strecke wie nach Mexiko :/

Fliegen aufgeben? Keine Chance :))

RinahFly
Beiträge: 9
Registriert: Dienstag 17. Juli 2018, 21:32

Re: Wieso habe ich plötzlich so Angst vorm Fliegen und den Turbulenzen?

Ungelesener Beitrag von RinahFly » Dienstag 16. Juli 2019, 20:01

Hallo,

mir geht es exakt ähnlich wie dir. Wobei wenn ich mir manche You Tube Videos ansehe, von richtig heftigen Turbulenzen, wo es in der Kabine aussieht, wie auf einem Schlachtfeld, habe ich zum Glück nie erfahren müssen. Auch sind bei mir noch nie Sauerstoffmasken gefallen, umkehren wegen eines Defekts habe ich zum Glück auch noch nie erlebt. Verzögerungen aufgrund Defekten und Flugverspätungen häufiger. Einmal sind wir ziemlich tief gefallen, aus heiterem Himmel, ich war bis zum Ziel im Zustand enorme Grundspannung.

Wenn ich Langstrecke fliege, besorge ich mir was zum Schlafen( wobei ich nie schlafen kann, egal wie hoch die Dosis ist- ich bin unbewusst in einem Zustand der dauernden Alarmbereitschaft, witzig oder, denn im Worst Case könnte ich das Flugzeug nicht mal verlassen, ich bin ja eingesperrt )sicherlich gefährlich bei Notlandungen, aber am Ende trage ich dafür alleinig die Verantwortung und kann nicht die Fluggesellschaft dafür haftbar machen.

Klar kann man sich einreden, alles wird gut, die Hoffnung stirbt zu letzt. % gesehen habe ich seit dem dritten Flug - ein ungutes Gefühl in den Flieger zu steigen. Dennoch mache ich das weiterhin freiwillig, ich habe jetzt mal genau nachgezählt, ich bin über 70 mal geflogen. 63 Flüge gingen trotz Angst gut aus( die übrigen waren der Horror, gingen aber auch gut aus). Da ich keine Glaskugel habe, verlasse ich mich immer auf einen Schutzengel und hoffe niemals in einen Strömungsabriss mit Senkflug zu kommen. Wobei ich auch hier glaube, dass der Aufprall gar nicht mehr wahrgenommen wird, sondern wahrscheinlich noch paar Höllenmomente bevor der Druckabfall dafür sorgt, dass man ausgeknockt ist bevor man aufschlägt.

Wobei manche überleben auch: https://www.stern.de/panorama/weltgesch ... 70044.html. https://www.annabelle.ch/leben/gesellsc ... lebt-49062




Man macht sich so viele Gedanken, es reicht manchmal aus in eine unglückliche Kette von Umständen zu fallen. Das Schicksal kann niemand vorhersagen, wie auch? Das wäre schon beinahe philosophisch. Wichtig ist, dass hier und jetzt wahrzunehmen, sich zu entspannen, sich glauben zu machen, dass alles gut ausgeht, auch wenn man es nicht 100 % weiß. Die Fluggesellschaft vergibt ja nicht Garantiescheine, hier bitteschön, sie werden den Flug 100 % gut überstehen, wir sorgen dafür, mit unserem Leben...Deswegen ist Flugangst auch etwas völlig irrationales, 100 mal geht es gut, selten trifft es die anderen. Die Quote der Unglücke macht es auch noch wissenschaftlicher, vergleiche mal zu Flugzeugunglücken die Autounfälle. Daher wird die Wahrscheinlichkeit mit oder ohne Flugangst dahin gehen, mathematisch, dass du sicher ankommst.

PS:ich wollte auch Stewardess werden, aber aufgrund meiner Flugangst und zum Wohl der Passagiere habe ich darauf verzichtet :mrgreen:

Ciou
Rinah

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