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Hallo...

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Moderator: Jürgen

marry
Beiträge: 2
Registriert: Sonntag 19. April 2015, 23:45

Hallo...

Ungelesener Beitrag von marry » Dienstag 21. April 2015, 00:13

Hallo...ich lese nun schon seit einiger Zeit mit und habe mich nun endlich angemeldet...
Ich bin Marry aus NRW...bin 32 Jahre alt...der Flughafen meines Vertrauens ist also Düsseldorf, momentan aber leider nur um wöchentlich dort die Flugzeuge zu beobachten....
Seit dem ich letztes Jahr zum ersten Mal wirklich einen Flug storniert habe versuche ich mich ganz doll mit dem Fliegen auseinander zu setzen....ich möchte nämlich sehr gerne im September in den Urlaub fliegen....
Ich bin total begeistert von dem Forum und finde es wirklich sagenhaft, dass Menschen in ihrer Freizeit anderen Menschen helfen und sie unterstützen!!!

Flug 3451

Re: Hallo...

Ungelesener Beitrag von Flug 3451 » Dienstag 21. April 2015, 10:09

Hallo marry,

und herzlich willkommen! Dein Heimatflughafen ist derselbe wie bei mir, d. h. ich wohne auch in NRW.
So eine Stornierung ist nicht einfach zu verdauen. Leider neigen wir oft so ein Misserfolg wie ein Tauch-
anzug anzuziehen. Aber den Misserfolg in den Bereichen der Planung und der Strategie zu sehen und
nicht in unserer eigenen Person, fällt uns schwer. Das positive in den beiden Bereichen kann man mit
einer positiven Haltung eine Menge tun.

Jetzt solltest du ehrlich realisieren wieso es mit deinem Flug nicht geklappt hat. Wo war deine Angst so
groß, das du dir nicht mehr zugetraut hast zu fliegen. Wenn du uns daran teilhaben lässt, können wir dir
aufzeigen wo du vielleicht eine Antwort oder eine Idee findest, die dir helfen könnte. Also nur Mut zu erzählen
und zu fragen. Wir helfen auch dir gerne weiter!

Liebe Grüße,

Astrid

marry
Beiträge: 2
Registriert: Sonntag 19. April 2015, 23:45

Re: Hallo...

Ungelesener Beitrag von marry » Donnerstag 23. April 2015, 00:54

Danke für die liebe Antwort.
Dazu muss ich vielleicht erklären dass ich seit mehreren Jahren an einer Angst und Panik Störung leide, ich bin auch schon mehrere Jahre in Therapie. Mittlerweile habe ich keine Panik mehr aber die Angst vor der Angst ist noch oft da.
Vor dem Fliegen hatte ich eigentlich nie Angst, bin als Kind und Jugendliche sehr viel geflogen auch weite Strecken.
Für mich ist es wichtig zu lernen dass ich auch Nein sagen kann / darf. Als ich den Flug letztes Jahr vor mir hatte da kam sehr viel zusammen und ich dachte, ich schaffe das nicht...ich hab ewig lang mit mir gekämpft um zu entscheiden dass es auch in Ordnung ist den Flug zu stornieren bevor ich mich so quäle. Eigentlich war mein denk Muster vorher erst so dass es nicht möglich ist einen Flug zu stornieren. In meiner Familie waren auch alle sehr irritiert und geschockt. Mir wurde geraten Medikamenten zu nehmen etc..Dazu muss ich aber sagen dass ich bis auf drei tropfen Doxepin während der Panik Störung nie Medikamente genommen hab, weil ich mich immer spüren wollte und an der Krankheit arbeiten wollte.
Mein Mann steht übrigens hinter mir und hat mir die stornierung auch verziehen.
Ich selber schäme mich bis heute dafür....

Ja wo liegen meine Ängste...natürlich der Kontroll Verlust....aber vor allem ist es schlimm für mich oben zu sein weil ich jederzeit denke dass wir einfach so runter fallen....ich hatte beim letzten Flug das Gefühl das Flugzeug würde irgendwie ziehen und wenn dieses ziehen plötzlich aufhört dann fallen wir runter...sehr schwer zu erklären...
Start und Landung sind kein Problem für mich.
Ich bedanke mich schon mal für die Hilfe!!!

Flug 3451

Re: Hallo...

Ungelesener Beitrag von Flug 3451 » Donnerstag 23. April 2015, 15:07

marry hat geschrieben:Mir wurde geraten Medikamenten zu nehmen etc..Dazu muss ich aber sagen dass ich bis auf drei tropfen Doxepin während der Panik Störung nie Medikamente genommen hab, weil ich mich immer spüren wollte und an der Krankheit arbeiten wollte.
Hut ab, das hört sich echt klasse an und der Grund warum du keine Medikamente nehmen möchtest, ist genau die richtige Einstellung. Ich kenne mich mit Angst und Panik Störungen leider nicht aus. Ob das ein Grund wäre auf Medikamente zurück zu greifen kann dir Mr_Z unser Psychologe am Bord eher sagen.

Angst vor der Angst ist leider sehr verbreitet. Spricht nicht unbedingt für unsere Gesellschaft. Angst zu haben ist eigentlich was ganz normales. Sie ist unsere Schutzfunktion um uns auf Gefahren aufmerksam zu machen. Die Frage ist wie gehe ich damit um. Gebe ich der Angst den Raum oder setze ich ihr und mir Kenntnisse entgegen, die der Angst zeigen, ich brauche keine Angst haben.

Beispiel: Du möchtest Fahrrad fahren. Gestern bist du aber wie es so passieren kann, mit dem Fahrrad beim Aufsteigen umgekippt. Jetzt könntest du sagen, ich fahre nie mehr Fahrrad, weil du Angst hast wieder zu fallen. Denn das hat die Kopfkinoplatine so aufgenommen. Ich sähe dich lächeln und sagen :) , natürlich würde ich Fahrrad fahren. Ich weiß, doch das ich es kann. Dieser letzte Satz stoppt für diesmal deine Angst und lässt dich Fahrrad fahren.

Ganz simples Beispiel aber so sollte man sich bei jeder Aufkommenden Angst fragen. Bin ich wirklich in Gefahr oder ist es nur mein Kopfkino was mir einen Streich spielt. Das ist nicht einfach, so was muss gelernt werden aber es lohnt sich.
marry hat geschrieben:Für mich ist es wichtig zu lernen dass ich auch Nein sagen kann / darf.
Das ist ganz wichtig und ich weiß, wovon ich spreche. Egal wie andere sich entscheiden, du entscheidest für dich.
Stornieren ist kein Beinbruch nur ein Geldverlust. Aber wichtiger ist doch, das du für dich „nein“ gesagt hast und zu deiner Überzeugung gestanden hast. Es ist schön, das dein Mann hinter dir steht aber verzeihen braucht er dich nichts. Du hast für dein Wohl dich entschieden wo dir das so schwer fällt „Nein“ zu sagen und darauf kann er eher Stolz sein. Das deine Familie sehr irritiert und geschockt war ist traurig aber leider kein Einzelfall, wenn du dich hier ein bisschen eingelesen hast wirst du das merken. Aber was du auf keinem Fall musst, dich für deine Entscheidung sich zu schämen. Du hast eine Entscheidung für dich und nicht gegen dich getroffen. Und darauf kannst du genauso Stolz sein wie wenn du geflogen wärst.

Ein Flugzeug fällt nicht wie ein schwerer Stein runter. Auch wenn alle Triebwerke ausgehen, kann ein Flugzeug über mehrere km wie ein Drache segeln. Vielleicht landet er nicht auf deinen eigentlichen Flughafen aber den nächsten bestimmt.

Es gibt viel im Forum über „Angst vor der Angst“ oder „Kontrollverlustangst“. Les dich einfach durch und wenn du Fragen hast stelle sie einfach.

Kathrin
Chefstewardess Airbus A330
Beiträge: 1332
Registriert: Mittwoch 21. April 2010, 13:03

Re: Hallo...

Ungelesener Beitrag von Kathrin » Donnerstag 23. April 2015, 19:23

Hallo Marry,

schön Dich hier zu lesen. Vielleicht können wir Dir ja ein wenig helfen.
Kontrollverlust wird ja oft genannt, wenn es um das Fliegen geht. Wie sieht es denn sonst so bei Dir aus? Magst Du auch nicht mit dem Bus oder der Bahn fahren? Ist es nur "die Luft " unter dem Bauch haben? Wie Flug 3451 schon geschrieben hat, so einfach aus dem Himmel fällt man nicht. Das ist ein ganz subjektives Gefühl.

Ich kann Dich gut verstehen, ich fliege zwar sehr gerne, aber ich hasse zum Beispiel Schiff fahren. Wasser unterm Kiel und dazu noch ordentlich Seegang geht für mich gar nicht. Dahingegen sind Turbulenzen im Flugzeug für mich völlig egal. Aber den Weg dahin musste ich auch erstmal finden. Und das als Stewardess :D

Viele Grüße!

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