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Sinn des Luftverkehrs

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Mecki
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Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Mecki » Samstag 12. September 2009, 01:51

Nein, das Buch habe ich auch nicht gelesen. Aber in dem vorgestellten Artikel geht es nicht darum, das Fliegen generell zu verbieten, sondern es bewußt zur eigenen Horizonterweiterung zu nutzen - dabei aber immer im Auge zu behalten, dass der Flugverkehr durch den CO2-Ausstoß sowie durch giftige Stickoxide den Treibhauseffekt verstärkt und die Ozonschicht angreift und infolgedessen eine große Mitschuld am Klimawandel trägt. So wie es in dem letzten Satz heißt, soll nicht die Bequemlichkeit im Vordergrund stehen, sondern das Fernweh und die unstillbare Neugierde auf ein Land.

Es wäre begrüßenswert wenn das die entscheidenden Motivationsgründe für eine Reise wären. Aber man muss sich nur mal das Klientel der Touristen anschauen, die z.B. nach Mallorca reisen. Mehr als die Hälfte sind dem unteren Milieu zuzuordnen. Denen geht es nicht darum die mallorquinische Kultur kennenzulernen, sondern groß auf Party zu machen und sich die letzten Gehirnzellen wegzusaufen. Den billigen Flugtickets sei Dank!

Nun, es wäre übertrieben, alle Flüge innerhalb Mitteleuropas einzustellen. Aber ich frage mich, ob " Ultrakurzdistanzen" wie z.B. von Nürnberg nach München oder von Frankfurt nach Köln/Bonn unbedingt sein müssen. Wenn man zu der reinen Flugzeit noch die Zeit des Eincheckens am Flughafen hinzurechnet, dann ist die Zeitersparnis gegenüber dem Auto oder einem Schnellzug nicht mehr gegeben.

Apropos Zug: Natürlich wäre es, so wie als Beispiel in dem Artikel aufgeführt wurde, vom ökologischen Standpunkt betrachtet, sinnvoller mit dem Zug und nicht mit dem Flugzeug an die Adria zu reisen. Aber der Mensch ist nun mal von Natur aus bequem und neigt dazu den Weg des geringsten Widerstands zu wählen. Warum soll man sich den stundenlangen Strapazen einer Zugreise hingeben, wenn man die gleiche Distanz viel bequemer, viel schneller und um ein Vielfaches billiger mit dem Flugzeug zurücklegen kann? Und genau da liegt der Knackpunkt. Das Bahnfahren ist gegenüber dem Fliegen unverhältnismäßig teuer. Um aber dem immer stärker werdenden Expansionsdrang im Luftverkehr Einhalt zu gebieten, wäre es endlich einmal an der Zeit die staatlichen Subventionen zu Gunsten des Luftverkehrs zu stoppen. Während Fluggesellschaften nach wie vor von der Mineralölsteuer auf das Flugkerosin befreit sind, muss die Bahn dagegen auf Diesel Mineralölsteuer zahlen, sowie Öko-und Stromsteuer in Millionenhöhe. Im Unterschied zu Flugtickets werden Bahntickets mit der z.Zt. gültigen Mwst. von 19% belastet. Das führt dazu, dass der Luftverkehr gegenüber der Bahn einen ungerechten Wettbewerbsvorteil hat. Solange sich daran nichts ändert, wird Bahnfahren gegenüber dem Fliegen weiterhin unattraktiv bleiben.

Air-Busfahrer
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Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Air-Busfahrer » Samstag 12. September 2009, 10:11

Mecki hat geschrieben:
Während Fluggesellschaften nach wie vor von der Mineralölsteuer auf das Flugkerosin befreit sind, muss die Bahn dagegen auf Diesel Mineralölsteuer zahlen, sowie Öko-und Stromsteuer in Millionenhöhe.
Sie glauben doch nicht etwa, daß dieser Staat, der permanent versucht, auch noch den letzten Euro aus seinen Steuerzahlern herauszuquetschen, freiwillig oder aus irgendwelchen Sympathien heraus eine solche Einnahmequelle brach liegen läßt?
Er weiß eben nur was dann passiert. Die Hubs werden ins Ausland verlegt und die Zubringer werden so betankt, daß man hier in Deutschland nicht tanken muß. Arbeitsplätze und Steuereinnahmen wandern dann ebenfalls mit in die Nachbarländer.
Selbst wenn das nicht so wäre, hätte man den einheimischen Gesellschaften einen Nachteil gegenüber den ausländischen verschafft und Unternehmen die Geschäftsgrundlage zu entziehen bzw. Steuerzahler arbeitslos zu machen bringt weder der Umwelt noch der Staatskasse etwas.

Wo wir gerade beim Thema Staatskasse sind: Fluggesellschaften und ihre Angestellten zahlen eine ganze Menge in diese ein, während wir Steuerzahler immer noch für die Altschulden der Bahn aufkommen müssen.

Ihre Meinung über den Weg des geringsten Widerstands teile ich durchaus, aber ich denke da der Geist nun aus der Flasche ist, wird man ihn dort schlecht wieder hereinbekommen.
Nur weil für einige "Touristen" der Flug Ihrer Meinung nach überflüssig wäre, kann man des Rest (bzw die Gesamtheit) der Reisenden ja nicht mit höheren Preisen abstrafen.

Mecki
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Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Mecki » Samstag 12. September 2009, 20:26

Air-Busfahrer hat geschrieben:Sie glauben doch nicht etwa, daß dieser Staat, der permanent versucht, auch noch den letzten Euro aus seinen Steuerzahlern herauszuquetschen, freiwillig oder aus irgendwelchen Sympathien heraus eine solche Einnahmequelle brach liegen läßt?
Doch, das tut der Staat. Schätzungsweise verschenkt die Bundesregierung jedes Jahr 400 Millionen Euro, weil sie inländische Flüge von der Mineralölsteuer befreit hat. Da zusätzlich noch grenzüberschreitende Flüge von der Mwst. befreit sind, kann man davon ausgehen, dass dem Bund Jahr für Jahr Steuereinnahmen in Milliardenhöhe flöten gehen.
Er weiß eben nur was dann passiert. Die Hubs werden ins Ausland verlegt und die Zubringer werden so betankt, daß man hier in Deutschland nicht tanken muß. Arbeitsplätze und Steuereinnahmen wandern dann ebenfalls mit in die Nachbarländer.
Nein, das wird nicht der Fall sein. Dem "Tanktourismus", nämlich die Kerosinsteuer so zu umgehen, das Flugzeuge mit steuerfreien ausländischen Kerosin zurecht kommen, könne man durch eine Besteuerung des Verbrauchs auf innerdeutschen Strecken entgegnen. Denn hier knüpft die Mineralölsteuer an den tatsächlichen Verbrauch an. Die Fluggesellschaften müssten angeben, wie viel Kerosin sie beim Inlandsflug verbraucht haben, was vom Verwaltungsaufwand vertretbar wäre. So kann unabhängig vom Ort des Betankens, verbrauchtes Kerosin beim Inlandsflug besteuert werden.

Allerdings räume ich ein, dass eine nur deutschlandweite Umsetzung der Besteuerung des Flugtreibstoffs nicht ausreicht. Aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit ist es zwingend notwendig, dass alle EU-Staaten mitziehen.

Wer sich mit dem Thema genauer befassen will, dem empfehle ich das Rechtsgutachten von Prof. Eckhard Pache ( Universität Würzburg) durchzulesen, welches im Auftrag des Umweltbundesamt erstellt wurde. Das Thema: " Möglichkeiten der Einführung einer Kerosionsteuer auf innerdeutschen Flügen"
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/2853.pdf

Bruchpilot

Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Bruchpilot » Sonntag 13. September 2009, 10:06

Mecki hat geschrieben:Allerdings räume ich ein, dass eine nur deutschlandweite Umsetzung der Besteuerung des Flugtreibstoffs nicht ausreicht. Aus Gründen der Wettbewerbsgleichheit ist es zwingend notwendig, dass alle EU-Staaten mitziehen.
Aber genau das passiert doch nie im Leben. Da werden mit Sicherheit ein paar Kleinstaaten ausscheren (ich sag nur: Irland) und sagen: Nö, das machen wir niemals mit - kommt mal alle schön zu uns zum Billigtanken!

Air-Busfahrer
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Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Air-Busfahrer » Sonntag 13. September 2009, 10:52

Mecki hat geschrieben: Doch, das tut der Staat. Schätzungsweise verschenkt die Bundesregierung jedes Jahr 400 Millionen Euro, weil sie inländische Flüge von der Mineralölsteuer befreit hat. Da zusätzlich noch grenzüberschreitende Flüge von der Mwst. befreit sind, kann man davon ausgehen, dass dem Bund Jahr für Jahr Steuereinnahmen in Milliardenhöhe flöten gehen.
Die Betonung lag auf "freiwillig". Daß er es tut ist mir durchaus bekannt. Der Beitrag zum Wohlergehen der Staatsfinanzen wurde übrigens mittlerweile von "Mineralölsteuer" in "Energiesteuer" umgetauft, damit man auch bei alternativen Kraftstoffen schön zum Aderlaß bitten darf.
Wenn man Bahnfahren fördern möchte, könnte man auch die Bahn von der Energiesteuer befreien, das wäre einfacher.
Aber Steuern bewegen sich bei uns ja nur in eine Richtung.

Wenn man das Fliegen unbedingt künstlich verteuern möchte, könnte man einfach die Flugsicherungs- und Flughafengebühren erhöhen, das wäre jedenfalls einfacher als jedem verbrauchten Liter Sprit nachzulaufen und man müßte nicht 1000 neue Beamte einstellen, die nachher mehr kosten als die Einnahmen aus der Abgabe bringen.
Diese o.g. Gebühren verursachen ohnehin wesentlich höhere Kosten für die Airlines als der Treibstoff.

RonjaRäubertochter

Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von RonjaRäubertochter » Montag 7. Juni 2010, 20:42

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Zuletzt geändert von RonjaRäubertochter am Samstag 29. August 2015, 23:22, insgesamt 1-mal geändert.

Air-Busfahrer
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Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Air-Busfahrer » Dienstag 8. Juni 2010, 12:34

Atemsteuer...Luft wird teuer.....

Immer weiter so :roll:

Flugschreiber

Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Flugschreiber » Dienstag 8. Juni 2010, 12:43

RonjaRäubertochter hat geschrieben:Die Bundesregierung hat heute die Einführung einer ökologischen Luftverkehrsabgabe für alle Abflüge von deutschen Flughäfen beschlossen.
"ökologisch" ist gut... :mrgreen: Ich würde sie eher "panisch-milliardenlöcher-stopfende-koalition-vor-dem-zerbrechen-bewahrende-wir-wissen-nicht-was-wir-sonst-noch-besteuern-könnten"-Abgabe nennen... 8) 8)

Roichi
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Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Roichi » Dienstag 8. Juni 2010, 17:44

"panisch-milliardenlöcher-stopfende-koalition-vor-dem-zerbrechen-bewahrende-wir-wissen-nicht-was-wir-sonst-noch-besteuern-könnten"-Abgabe
Bitte in:
"panisch-milliardenlöcher-stopfende-koalition-vor-dem-zerbrechen-bewahrende-wir-wissen-nicht-was-wir-sonst-noch-besteuern-könnten-ohne-unsere-finanzkräftigen-Freunde-zu-vergraulen"-Abgabe

Umbenennen.
Danke.
Dipl.-Ing. Luft- und Raumfahrttechnik

RonjaRäubertochter

Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von RonjaRäubertochter » Dienstag 8. Juni 2010, 21:27

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Zuletzt geändert von RonjaRäubertochter am Samstag 29. August 2015, 23:21, insgesamt 1-mal geändert.

Flugschreiber

Re: Sinn des Luftverkehrs

Ungelesener Beitrag von Flugschreiber » Mittwoch 9. Juni 2010, 01:21

RonjaRäubertochter hat geschrieben:Ich muss mal schauen, an wen ich Eure äußerst kreativen Namensvorschläge weiterleiten kann.


Ab BAT II a aufwärts, wenn's geht... :mrgreen: :mrgreen:
RonjaRäubertochter hat geschrieben:Aber wenn die "ökologische Luftverkehrssteuer" in "panisch-milliardenlöcher-stopfende-koalition-vor-dem-zerbrechen-bewahrende-wir-wissen-nicht-was-wir-sonst-noch-besteuern-könnten-(ohne-unsere-finanzkräftigen-Freunde-zu-vergraulen)"-Abgabe umbenannt wird, wie sollen dann all die anderen noch näher zu benennenden Abgaben bzw. Neuerungen genannt werden? :mrgreen:
Och, da wüsste ich aus dem Stand einige Formulierungen: strukturelle Anpassung, alternativlose Gegenfinanzierung... oder der Klassiker "Minusangleichung"... (von wem war der nochmal?) 8)

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