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Southwest Airlines Unfall heute 18.4.18

Diskussion über Berichteund Artikel in den Medien

Moderator: Jürgen

Elvibaum
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Southwest Airlines Unfall heute 18.4.18

Ungelesener Beitrag von Elvibaum » Donnerstag 19. April 2018, 00:22

Hallo an alle,

melde mich wieder mit Nachrichten aus der Flugzeugkatastrophen-Nachrichtenwelt.
Heute ist 1 Passagierin gestorben weil während eines Fluges (Southwest Airlines von NY nach Dallas) Teile vom Triebwerk sich ablösten und durch ein Sitzfenster einschlugen, dabei die Passagierin am Kopf traf....sie wurde wohl fast aus dem Flieger gerissen usw, überlebte leider nicht).

-Können uns die Piloten, Hobbytüftler und Ingeneure in diesem Forum erklären wieso immernoch Triebwerke „explodieren“?
Ich dachte Flugzeuge werden so extrem gecheckt und gepflegt dass so etwas nicht passieren dürfte (ein Triebwerksausfall bewerte ich allerdings anders als wenn Teile abbrechen).

Über SW-Airlines habe ich aber auch gelesen, dass speziell diese Airlines schon mehrere Fälle von Materialermüdung hatte wie Risse die nicht behoben wurden und Löcher die zu Notlandungen führten. Sind die Standarts in den USA nicht gleich wie in der EU??

Roichi
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Re: Southwest Airlines Unfall heute 18.4.18

Ungelesener Beitrag von Roichi » Donnerstag 19. April 2018, 06:58

Die Standards sind nicht die gleichen, aber vergleichbar. Luftrecht ist immernoch national geregelt außer in der EU. Es wird sich nur international abgesprochen.

Dass Treibwerke ausfallen ist ein vorhandenes Risiko oberhalb des akzeptablen Risikos. Daher müssen immer mindestens zwei da sein. So dumm das klingt, aber das ist Vorschrift.

Triebwerke arbeiten mit enormen Rotationsgeschwindigkeiten und Massen. Das darf man nicht unterschätzen. Da wirken Kräfte, die nur eingefangen werden, weil das alles genau ausbalanciert ist. Es gibt Toleranzen für Unwuchten, aber die sind sehr klein. Beschädigungen können das überschreiten.
Der berühmte Triebwerkstest für eine abgefallene Fanschaufel ist ein schönes Beispiel, warum ein Triebwerk explodiert. Allerdings müssen dabei alle Teile im Triebwerk bleiben. Es gibt aber auch Szenarien, die solche Kräfte freisetzen, dass man das nicht mehr einfangen kann. Diese sind allerdings wieder extrem selten.
Das letzte, was mir dazu einfällt ist der Vorfall der A380 über Grönland.

Genaueres wird man wissen, wenn die Untersuchung vorangeht.

Und jetzt gehe ich mal aufwachen.
Dipl.-Ing. Luft- und Raumfahrttechnik

Elvibaum
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Re: Southwest Airlines Unfall heute 18.4.18

Ungelesener Beitrag von Elvibaum » Donnerstag 19. April 2018, 09:29

Na dann guten Morgen :D und ich lese mal so lange den besagten Grönland-Fall :wink:

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Meilenfresser
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Re: Southwest Airlines Unfall heute 18.4.18

Ungelesener Beitrag von Meilenfresser » Montag 9. Juli 2018, 17:37

Im Bezug auf das Durchschlagen von Triebwerksteilen durch das Triebwerkgehäuse kann man folgendes sagen:

In der Regel sollten keine Teile (z.B. ein Fan) das Gehäuse durchschlagen können. Die Gehäuse sind außen mit Aramiden verstärkt. Zu den Aramiden zählt z.B. Kevlar, das ja u.a. auch für kugelsichere Westen verwendet wird.
Die T7 z.B. hat aber auch in den Triebwerken GE90 Fanschaufeln aus Kohlefasern. Diese werden noch im Triebwerk förmlich geschreddert, falls es zum Bruch käme. Mir ist allerdings noch kein solcher Fall zu Ohren gekommen.
Kürzel in der Luftfahrt
PF - Pilot flying
PM - Pilot monitoring
VFR - Visual flight rules
IFR - Instrument flight rules

Und zu guter Letzt:
Der Gurkenschneider ist ein
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Roichi
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Re: Southwest Airlines Unfall heute 18.4.18

Ungelesener Beitrag von Roichi » Dienstag 10. Juli 2018, 21:55

Der Fan sollte tatsächlich nicht das Triebwerk in Richtung Flugzeug verlassen. Das wird auch spektakulär getestet.
Allerdings gibt es im Treibwerk auch Teile, die solchen Belastungen unterliegen, dass bei einem Bruch die auftretenden Energien nicht aufgefangen werden können. Dazu müsste man großzügig Beton um das Triebwerk gießen.
Die Teile sind also so ausgelegt, dass sie nicht versagen dürfen.
Dennoch kann das natürlich passieren. Und dann können die Teile auch das Flugzeug beschädigen.
Das ist aber extrem selten und daher in der Wahrscheinlichkeit ähnlich wie ein Flugzeugabsturz.
Ganz vermeiden kann man das aber nicht.

Auch hier wird die Untersuchung feststellen, warum das passiert ist und welche Maßnahmen zu treffen sind, damit das nicht wieder vorkommt. So wie bei jedem Vorfall. Danach wird die Sicherheit wieder ein Stück höher sein.
Denn das hohe Niveau der Sicherheit ist nunmal mit Blut erkauft.
Dipl.-Ing. Luft- und Raumfahrttechnik

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